Ladeinfrastruktur in Kriens: Gute Ansätze – aber noch ohne klaren Fahrplan
Im Krienser Einwohner:innenrat wurde die Interpellation der SP-Einwohnerrätin Bettina Gomer-Beacco über die zukünftige Entwicklung der Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge diskutiert. Fazit: Das Problem ist erkannt – doch zentrale Fragen bleiben offen.
Der Stadtrat hält in seiner Antwort fest, dass das Thema Ladeinfrastruktur im Richtplan Energie verankert werden soll. Das ist aus Sicht der SP ein wichtiger Schritt. Gleichzeitig genügt es jedoch nicht, das Thema strategisch zu verorten, ohne konkret aufzuzeigen, wie sich Angebot und Nachfrage in den kommenden Jahren entwickeln werden.
Gerade in Kriens ist der Handlungsdruck hoch. Die Gemeinde weist weiterhin einen überdurchschnittlich hohen Anteil an motorisiertem Individualverkehr auf. Wenn die Klimaziele erreicht werden sollen, braucht es neben dem Ausbau von öffentlichem Verkehr und Veloinfrastruktur auch eine konsequente Dekarbonisierung des bestehenden Verkehrs. Ein Teil davon wird zwangsläufig elektrisch sein – und dafür braucht es ausreichend Ladeinfrastruktur.

Fehlende Datengrundlagen erschweren Planung
Ein zentraler Kritikpunkt betrifft die fehlende Datengrundlage. Wie viele Ladepunkte werden künftig benötigt? Wie entwickelt sich der Bedarf im Verhältnis zur Bevölkerungszahl und zur Anzahl Fahrzeuge? Ohne solche Einordnungen bleibt unklar, ob die geplanten rund 108 Ladepunkte bis 2035 tatsächlich ausreichen.
Für die SP ist klar: Ohne eine fundierte Bedarfsanalyse fehlt die Grundlage für eine zielgerichtete Planung. Der Zielwert bleibt abstrakt, solange nicht definiert ist, wie und wann er erreicht werden soll.
Alltagstauglichkeit entscheidet – besonders für Mietende
Besonders wichtig ist aus Sicht von Bettina Gomer-Beacco die Perspektive der Bevölkerung im Alltag. Rückmeldungen aus der Bevölkerung zeigen ein klares Bild: Viele Menschen wären grundsätzlich bereit, auf ein Elektroauto umzusteigen – scheitern aber an fehlenden Lademöglichkeiten im direkten Wohnumfeld.
Das betrifft insbesondere Mietende in Mehrfamilienhäusern, die kaum Einfluss auf den Ausbau privater Ladeinfrastruktur haben. Gerade hier bestehen in Kriens grosse Lücken – und gleichzeitig fehlen entsprechende Erhebungen. Ohne Daten bleibt unsichtbar, wo konkret Handlungsbedarf besteht.
Dabei gäbe es bereits Ansatzpunkte: Kantonale Förderprogramme für Ladeinfrastruktur in Mehrfamilienhäusern könnten genutzt werden, um Entwicklungen besser zu erfassen. Auch eine Integration entsprechender Fragen in bestehende Instrumente wie den Mietspiegel wäre denkbar.
Heute verkehrsorientiert statt wohnorientiert
Ein Blick auf die bestehenden Ladepunkte zeigt zudem eine klare Schieflage: Die Infrastruktur konzentriert sich stark entlang von Hauptverkehrsachsen sowie bei gewerblichen Standorten wie Tankstellen, Autohäusern oder Einkaufszentren. Viele dieser Angebote sind zudem nur eingeschränkt zugänglich.
In den Wohnquartieren hingegen fehlen wohnungsnahe Ladepunkte weitgehend. Genau diese Nähe – erreichbar in wenigen Gehminuten – ist jedoch entscheidend für die Alltagstauglichkeit der Elektromobilität. Fahrzeuge stehen dort, wo Menschen wohnen oder arbeiten – also muss auch dort geladen werden können.
Andere Städte gehen weiter
Ein Vergleich zeigt, dass andere Städte bereits einen Schritt weiter sind. Die Stadt Luzern etwa kombiniert bestehende Daten mit Bedarfsanalysen und Pilotprojekten in Quartieren. So entstehen laufend neue Erkenntnisse zur tatsächlichen Nachfrage.
Aus Sicht der SP stellt sich daher die Frage, ob auch Kriens vorhandene Instrumente stärker nutzen sollte, anstatt auf spätere Ergebnisse zu warten. Eine aktive Steuerung der Entwicklung wäre möglich – und nötig.
Konkrete Schritte statt vager Ziele
Kritisch beurteilt die SP auch, dass der Zielwert für Ladepunkte bis 2035 ohne zeitliche Etappierung definiert ist. Dieses Muster zeigt sich in Kriens leider wiederholt – etwa auch beim Veloverkehr oder bei der Umsetzung des Behindertengleichstellungsgesetzes: Es fehlen konkrete Zwischenschritte und ein klarer Fahrplan.
Dabei gäbe es zusätzliche Möglichkeiten, die rasch umgesetzt werden könnten. So könnten etwa stadteigene Liegenschaften wie Schulhäuser, Werkhöfe oder technische Anlagen ausserhalb der Nutzungszeiten für Ladeinfrastruktur genutzt werden. Diese Flächen bieten Potenzial für eine dezentrale und effiziente Ergänzung des bestehenden Angebots.
Jetzt aktiv gestalten
Für die SP ist klar: Kriens hat die richtigen Absichten – jetzt braucht es den nächsten Schritt. Entscheidend ist, die Entwicklung aktiv zu gestalten, statt sie nur zu begleiten.
Dazu gehören eine solide Datengrundlage, konkrete Etappenziele und ein klarer Fokus auf Lösungen im direkten Wohnumfeld der Bevölkerung. Nur so kann die Elektromobilität im Alltag ankommen – und nur so lassen sich die Klimaziele tatsächlich erreichen.

Bettina Gomer-Beacco
SP-Einwohnerrätin
