Nachbarschaften stärken – Kriens braucht eine klare Strategie für den gesellschaftlichen Zusammenhalt

Wie gelingt gutes Zusammenleben in einer wachsenden Stadt? Diese Frage stellt SP-Einwohnerrätin Edith Kaufmann Limacher in ihrer aktuellen Interpellation zur Professionalisierung der Quartier- und Nachbarschaftsarbeit. Die SP-Fraktion will vom Stadtrat wissen, wie die Pflege der Nachbarschaften in Kriens heute organisiert ist – und wie sie künftig gestärkt werden kann.

Nachbarschaft ist kein Zufall

In vielen Städten der Deutschschweiz entstehen derzeit professionelle Fachstellen für Nachbarschaftsarbeit und Vermittlung. Grundlage dafür sind unter anderem Erkenntnisse der Universität St. Gallen sowie Studien im Auftrag der Age-Stiftung. Sie zeigen: Gute Nachbarschaften entstehen nicht einfach von selbst. Sie brauchen Strukturen, Ressourcen und klare Zuständigkeiten.

Gerade in Zeiten gesellschaftlicher Individualisierung, demografischer Alterung und wachsender sozialer Unterschiede leisten quartiernahe Fachstellen einen wichtigen Beitrag. Sie fördern Begegnung, unterstützen ältere Menschen im Alltag, vermitteln bei Konflikten und stärken die lokale Identifikation. Plattformen wie Lebendige Quartiere machen deutlich, wie wichtig professionelle Begleitung für nachhaltige Quartierentwicklung ist.

Blick über die Stadtgrenzen

Andere Städte sind hier bereits einen Schritt weiter. So verfügt die Stadt Sursee über einen eigenen Fachbereich Gesellschaft mit klar definiertem Leistungsauftrag. Das entsprechende Grundlagenkonzept zeigt auf, wie Themen wie Integration, Generationenarbeit, Freiwilligenarbeit und Quartierentwicklung koordiniert und strategisch verankert werden können.

Auch die Stadt Zürich setzt mit ihren Gemeinschaftszentren seit Jahren auf professionelle Gemeinwesenarbeit und quartiernahe Strukturen. Diese Beispiele belegen: Eine institutionalisierte Nachbarschaftsarbeit schafft Mehrwert – sozial, präventiv und letztlich auch finanziell.

Wo steht Kriens?

Vor diesem Hintergrund fragt die Interpellation konkret:

  • Welche Stellen zur Pflege der Nachbarschaften oder zur «Vermittlung» existieren heute bereits in Kriens?
  • Wer betreibt sie – und mit welchem Auftrag?
  • Welche Rolle spielt das Thema im laufenden Stadtentwicklungskonzept (STEK)?
  • Gibt es rechtliche Grundlagen oder Leistungsaufträge im Aufgaben- und Finanzplan (AFP)?
  • Welchen Nutzen sieht der Stadtrat in einem Fachbereich «Gesellschaft» nach dem Vorbild anderer Städte?
  • Und wäre eine Vertretung im Netzwerk Gemeinwesenarbeit sinnvoll?

Für die SP ist klar: Wenn Kriens weiter wächst, braucht es mehr als bauliche Verdichtung. Es braucht auch soziale Verdichtung – tragfähige Beziehungen, funktionierende Nachbarschaften und Orte der Begegnung.

Investition in Lebensqualität und Prävention

Professionelle Quartier- und Nachbarschaftsarbeit ist kein «Nice-to-have». Sie ist eine Investition in Lebensqualität, Integration und Prävention. Gerade auch in der offenen, quartierbezogenen Jugendarbeit zeigt sich, wie wichtig frühe Präsenz und Beziehungsarbeit sind. Konflikte können früh erkannt, Einsamkeit reduziert und freiwilliges Engagement gestärkt werden.

Die SP Kriens ist überzeugt: Ein klar verankerter Fachbereich Gesellschaft könnte unterschiedliche gesellschaftliche Themen bündeln, Synergien schaffen und dem sozialen Zusammenhalt strategisches Gewicht verleihen.

Mit ihrer Interpellation schafft Edith Kaufmann Limacher die Grundlage für eine sachliche Diskussion über die Zukunft der Nachbarschaftsarbeit in Kriens. Denn eine lebendige Stadt entsteht nicht nur durch neue Gebäude – sondern durch starke Gemeinschaften.

Für die Fraktion
Edith Kaufmann Limacher